
Achtsamkeit bedeutet, ganz im Moment zu sein: präsent, aufmerksam, offen. Das klingt nach Meditation, nach Stille, nach bewusster Atmung – aber überraschenderweise beschreibt es ebenso genau die Haltung der Clownsfigur.
Im Grunde ist die gesamte Clownerie eine Form gelebter Achtsamkeit.
Denn die Clownin ist im Augenblick. Nicht bemüht, nicht angestrengt, sondern mit einer unverstellten, kindlich-staunenden Natürlichkeit.
Wie einst meine Kollegin Uta Keppler treffend sagte: "Ein Clown ist."
Die Clownsfigur: Gegenwärtigkeit in Reinform
Clowns und Clowninnen sind radikal präsent. Sie nehmen wahr – sich selbst und die Welt – ohne Filter, ohne Eile, ohne Bewertung. Eine Vase ist für den Clown nicht einfach eine Vase, sondern ein Phänomen, ein Abenteuer, eine Frage. Er zoomt auf die kleinsten Details des Alltags, betrachtet sie wie zum ersten Mal und öffnet dabei einen Bauchladen von Emotionen:
- Wie fühlt sich diese Vase für mich an?
- Was macht sie mit mir?
- Und was mache ich mit ihr?
Diese Form des Wahrnehmens und Fühlens ist pure Achtsamkeit: eine liebevolle, wertschätzende Art, der Welt zu begegnen, in der nichts selbstverständlich und alles möglich ist.
Herman van Veen singt über Clowns: "Sie machen aus ′nem Riesenrad... Wie ein Gaukler eine Vase... Haben sie kein Raumschiff... Dann tut's auch eine Nase..."
Achtsamkeit durch Verwirrung
Was kleine Kinder meist von Natur aus machen, müssen Erwachsene wieder lernen.
Viele Clowns-Übungen sind klassische Achtsamkeitsübungen:
Wahrnehmung, Atem, Körperbewusstsein, Langsamkeit, Imagination. Andere wiederum scheinen das Gegenteil zu tun – sie verwirren den Geist, bringen den Kopf durcheinander, machen Denklogik unmöglich. Doch genau dadurch wird der Weg frei zu einer tieferen, emotionalen Aufmerksamkeit für das Jetzt.
Wenn der Kopf aussetzt, beginnt der Körper zu sprechen.
Wer Clownerie übt, praktiziert deshalb gleichzeitig Achtsamkeit. Clownerie ist Emotions- und Körpertheater, ein Spiel mit inneren Zuständen:
- Wie fühlt es sich jetzt in mir an?
- Was bewegt sich?
- Was will entstehen?
Den Atem beruhigen und lächeln?!
Die Achtsamkeitspraxis nach Thich Nhat Hanh lehrt zum Beispiel, bei der Meditation folgende Sätze zu denken:
- "Ich atme ein - und beruhige mich.
- Ich atme aus - und lächle!"
Dies ist auch eine wunderbare Atemübung für Clowninnen und Clowns. Und mit Verlaub, die Nonnen und Mönche im Europäischen Zentrum für angewandten Buddhismus in Waldbröl sind oft wunderbare ClownslehrerInnen für mich. Sie lachen gern, machen sogar manchmal Schabernack - an ihrem "lazy day" oder beim "Being":
- Bei meinem ersten Besuch überschüttete eine Nonne einen Mönch zum Geburtstag mit Konfetti!! (Uups... und wow, hier bin ich richtig, dachte ich).
- Beim Künstler-Retreat führte ein Mönch überraschend (und exzellent) den Moonwalk von Michael Jackson vor - mit cooler Sonnenbrille und Hut.
Ich war verblüfft: Achtsamkeit darf Spaß machen!?
Eine weitere Parallele zwischen Achtsamkeit und Clownerie zeigt sich in Thich Nhat Hanh's Anleitung, den Moment zu genießen. Genau das versprach mir auch mein Clownslehrer Dieter Bartels: "Wenn Du dein Gesellenstück auf die Bühne bringst, wirst du jeden Moment genießen!" (Es war nicht ganz so, aber seitdem habe ich sehr oft die Erfahrung des puren Genusses beim Spielen gemacht. Aller Gefühle!).
Vom Glück der Unvollkommenheit - Genießen und Staunen
In meinen Einführungs-Workshops und besonders beim Kurs „Clownerie & Achtsamkeit – Vom Glück der Unvollkommenheit“ im Benediktushof steht genau dieses Genießen im Mittelpunkt.
Und es geht noch einen Schritt weiter: Genießen und STAUNEN.
Hier wird die innere Clownfigur entdeckt – eine Figur, die in jedem Menschen angelegt ist. Mit ihrem neugierigen Herzen nimmt sie die Welt so an, wie sie ist, um sie sogleich auf den Kopf zu stellen.
In ihr lebt das freie Kind weiter: unmittelbar, lebendig, träumend, manchmal unbeholfen, immer echt. Gerade in der Suche nach diesem inneren Kind entsteht berührende Komik. Unvollkommenheit wird nicht versteckt, sondern gefeiert – und damit verwandelt.
Humorvolle, rasant-sanfte Übungen aus Körper- und Emotionstheater wechseln sich mit Phasen stiller Achtsamkeit ab. So verändert sich der natürliche (Sinnes-) Eindruck: weg vom Kopf, hinein ins Spüren; weg vom Ego, hin zur leeren, neugierigen Wahrnehmung.
Ein Kurs-Teilnehmer beschrieb es so:
„Das Hineinschlüpfen in die Clownswelt führt zu einem Perspektivwechsel – weg vom Ego und der Verstandeswelt, hin in eine Leere, angefüllt mit purer Neugier. Plötzlich ist es so einfach zu spüren, dass ein anderer Bewusstseinszustand möglich ist – ein leerer, staunender Geist!“
Durch diesen Wechsel – zwischen Staunen und Stille, zwischen Spiel und Sein – wird die Essenz von Achtsamkeit erfahrbar: ein gegenwärtiges, lebendiges Bewusstsein.
Therapeutische Wirkung: Humor als heilsamer Raum
Auch aus psychotherapeutischer Sicht öffnet die Clownerie besondere Räume. Eine teilnehmende Trauma-Psychotherapeutin beschreibt es so:
„Clownsein wurzelt in guter körperlicher und emotionaler Wahrnehmung. Spielerische Übertreibung von Eigenarten und Alltäglichkeiten wird liebevoll angenommen und enthebt die Momente von Scham, Schuld und Schwere. Eine wunderbare Erfahrung mit therapeutischem Effekt.“
Clown*innen sind immer Freund*innen. Das ist ihre Basis zueinander. Sie tragen alle Gefühle, von Freude bis Trauer, von Scham bis Schadenfreude, und halten sie in einem sicheren Rahmen. Auf dem Boden großer Lebendigkeit wird alles andere möglich.
Im clownesken Raum wird nichts unterdrückt. Alles darf gezeigt werden. Alles darf sein - und kann auch wieder gehen, wenn es im Hier & Jetzt gefühlt wird.
Und genau darin liegt entlastende, heilsame Kraft.
Ja, das geht: Achtsamkeit spielerisch lernen
Viele Menschen sind überrascht, wie eng Clownerie und Achtsamkeit / Meditation zusammenhängen. Doch wer einmal die Erfahrung macht, merkt: Dieses Clown-Spiel ist ein Tor. Ein Tor zur inneren Freiheit, zum genussreichen Staunen, zur Leichtigkeit – und zur tiefen Präsenz.
Clownerie zeigt uns:
Achtsamkeit muss nicht ernst sein.
Sie darf lachen.
Sie darf stolpern.
Sie darf verrückt sein.
Sie darf unvollkommen sein.
Oder - mit meinem Workshop-Spruch gesagt:
„Auja! – Genuss in allen Lebenslagen!“
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Abschließend eine Übung, um dich ins Hier & Jetzt zu katapultieren:
Geh leicht lächelnd im Raum herum und benenne Dinge anders. Hab Spaß dabei...!
(Dein Geist wird verwirrt sein, der Mund geht auf und Dein Gefühl ist präsent!)
Über mich, die Workshopleitung:
Kristina Mohr – Diplom-Psychologin, Clownin (TuT) und Saxophonistin. Seit vielen Jahren auf der Bühne verbinde ich künstlerische Ausdruckskraft mit psychologischem Feingefühl.
Als Trainerin für Entspannung, Clownerie (und Clownskompetenzen in kontaktintensiven Berufen) begleite ich Menschen darin, ihre Lebendigkeit, Kreativität und innere Präsenz zu entdecken. Meine Arbeit ist geprägt von einer warmherzigen, humorvollen Haltung und einer tiefen Achtsamkeitspraxis nach Thich Nhat Hanh.
Mit feinem Gespür für die Einzigartigkeit jedes Menschen schaffe ich Räume, in denen Staunen, Mut, Verletzlichkeit und Freude da sein dürfen – und in denen die innere Clownfigur liebevoll spür- und sichtbar wird.
Denn ich liebe es, andere mit verschmitzten Sein anzustecken! Mehr über mich...






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Andy Maack (Mittwoch, 06 Mai 2026 08:05)
Achtsamkeit und Clownerie - ich habe mich selbst gewundert, habe den Kurs am Benediktushof besucht, und danach hat es mich nicht irritiert, dass Achtsamkeit im Spiel, im bewegten und im lustigen Moment sein kann. Bisher assoziierte ich Achtsamkeit immer mit "Sitzen, Zen, Meditation" , vor allen in den "heiligen Hallen" des Benediktushofes. Es ist das im Moment sein, ganz präsent, hingebungsvoll und vll. gehört das albern sein, genussvoll erleben auch dazu. Ich bin dafür dankbar, dass mal erforschen zu dürfen... und wie gut das tut, Begriffe offener zu sehen und sich darin ein bisschen zu "verlieben" - ich als Ottilie fand das sehr wohlig, die Andy , die ich sonst bin, als Yogalehrerin, umso mehr - weniger Dogma , wieder mehr Freiheit !! im beruflichen und im definieren im allgemeinen! Danke an Dich, Kristina- du bist eine ganz "leichte , achtsame Clownin" , und als Mensch wirkst du genauso achtsam! Diese Kohärenz ist ziemlich überzeugend ! Viele liebe Grüße! Andy Maack aus Sommerhausen/ Würzburg